Stand: Juli 2026 · Fachlich geprüft am 30.07.2026
Eine Demenzdiagnose entsteht nicht aus einem einzelnen Gedächtnistest. Ärztinnen und Ärzte prüfen, welche Fähigkeiten verändert sind, wie stark der Alltag betroffen ist und welche Ursache dahinterstehen könnte. Ebenso wichtig ist die Suche nach Erkrankungen, die ähnlich wirken und behandelbar sein können.
Wo beginnt die Abklärung?
Erste Anlaufstelle ist häufig die Hausarztpraxis. Sie kennt Vorerkrankungen und Medikamente und kann Basisuntersuchungen veranlassen. Weiterführende Diagnostik erfolgt je nach Situation in:
- neurologischer oder psychiatrischer Praxis,
- geriatrischer Ambulanz,
- Gedächtnissprechstunde,
- spezialisierten Kliniken.
Bei Menschen unter 65 Jahren, ungewöhnlichem Verlauf oder rascher Verschlechterung ist eine spezialisierte Abklärung besonders wichtig.
Typische Bestandteile
Eigen- und Fremdanamnese
Die betroffene Person beschreibt Beschwerden und Alltag. Mit Einwilligung ergänzen Angehörige Beobachtungen. Beide Gespräche können teilweise getrennt stattfinden, damit unterschiedliche Wahrnehmungen offen benannt werden.
Kognitive Untersuchung
Standardisierte Verfahren prüfen je nach Test unter anderem Gedächtnis, Orientierung, Sprache, Aufmerksamkeit und Planung. Testergebnisse werden im Zusammenhang mit Bildung, Sprache, Sinnesbeeinträchtigungen und Tagesform bewertet.
Körperliche und neurologische Untersuchung
Gang, Kraft, Reflexe, Koordination, Sehen und Hören können wichtige Hinweise geben.
Labor und Medikamentenprüfung
Blutuntersuchungen helfen, mögliche andere Ursachen zu erkennen. Gleichzeitig wird geprüft, ob Medikamente Denken, Kreislauf oder Wachheit beeinflussen.
Bildgebung
Eine Computertomografie oder Magnetresonanztomografie kann strukturelle Veränderungen, Schlaganfälle, Blutungen, Tumoren oder andere Ursachen sichtbar machen.
Weiterführende Biomarker
Liquoruntersuchung, spezielle Bildgebung oder Blut-Biomarker können in ausgewählten Situationen zur Ursachenzuordnung beitragen. Sie sind nicht für jede Person erforderlich und müssen fachärztlich eingeordnet werden.
Welche anderen Ursachen werden geprüft?
- Delir,
- Depression,
- Medikamentennebenwirkungen,
- Schilddrüsen- und Stoffwechselstörungen,
- Vitaminmangel,
- Schlafstörungen,
- Alkohol oder andere Substanzen,
- Hör- und Sehbeeinträchtigung,
- neurologische Erkrankungen.
Plötzliche oder stark schwankende Verwirrtheit spricht eher für einen akuten Zustand und muss rasch beurteilt werden.
Vorbereitung auf den Termin
Bringen Sie mit:
- Medikamentenplan einschließlich frei verkäuflicher Mittel,
- Liste der Vorerkrankungen,
- konkrete Alltagsbeispiele,
- Arzt- und Krankenhausberichte,
- Brille und Hörgeräte,
- Vollmacht, falls Vertretung nötig ist,
- Fragen und Wünsche zur Mitteilung der Diagnose.
Setzen Sie Medikamente nicht selbstständig ab, auch wenn Sie Nebenwirkungen vermuten.
Nach der Diagnose
Ein guter Behandlungsplan umfasst:
- Erklärung der vermuteten Ursache,
- Besprechung medikamentöser und nichtmedikamentöser Möglichkeiten,
- Prüfung von Fahrtauglichkeit, Medikamentensicherheit und Sturzrisiko,
- rechtliche Vorsorge, solange Entscheidungsfähigkeit besteht,
- Pflegeberatung und Unterstützungsangebote,
- Kontrolltermin.
Häufige Fragen
Muss die Diagnose der betroffenen Person mitgeteilt werden?
Patientinnen und Patienten haben grundsätzlich ein Recht auf verständliche Aufklärung. Wie das Gespräch gestaltet wird, sollte sensibel und an der individuellen Situation ausgerichtet sein.
Kann Demenz sicher im Blut festgestellt werden?
Blut-Biomarker entwickeln sich weiter, ersetzen aber nicht automatisch die klinische Gesamtbeurteilung. Einsatz und Aussagekraft gehören in spezialisierte Diagnostik.
Was ist eine leichte kognitive Störung?
Dabei bestehen messbare kognitive Veränderungen, ohne dass der Alltag bereits im Umfang einer Demenz beeinträchtigt sein muss. Nicht jeder Verlauf geht in eine Demenz über.
Darf ein Angehöriger allein mit der Ärztin sprechen?
Mit Einwilligung der betroffenen Person ja. Ohne Einwilligung dürfen Angehörige Beobachtungen mitteilen; ob die Praxis Informationen zurückgeben darf, richtet sich nach Schweigepflicht und Vertretungsrecht.
Hinweis: Allgemeine Gesundheitsinformation; keine Diagnose.
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Quellen
Passende Themen
- Frühzeichen einer Demenz erkennenVergesslichkeit oder Erkrankung? Die Abgrenzung.
- Demenzformen im ÜberblickAlzheimer, vaskulär, Lewy-Body, frontotemporal.
Häufige Fragen
Ab wann sollte man zum Arzt?
Wenn Vergesslichkeit den Alltag verändert – vergessene Termine häufen sich, vertraute Wege werden unsicher, das Wesen ändert sich. Eine frühe Abklärung schließt behandelbare Ursachen aus.
Wie reagiere ich auf immer gleiche Fragen?
Ruhig, kurz und ohne Korrektur antworten. Die Frage ist meist Ausdruck von Unsicherheit. Wiederholte Zurechtweisungen erhöhen die Unruhe, Bestätigung senkt sie.
Bekommen Menschen mit Demenz einen Pflegegrad?
Ja, häufig mindestens Pflegegrad 2 – auch bei körperlicher Selbstständigkeit. Entscheidend ist der Hilfebedarf bei Orientierung, Entscheidungen und Verhalten.