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Schmerzen erkennen und behandeln

Auch bei Menschen, die sich nicht äußern können.

Stand: Juli 2026 · Fachlich geprüft am 31.07.2026

Schmerz ist individuell

Fragen Sie regelmäßig nach Ort, Stärke, Art, Dauer und Auslöser. Bei eingeschränkter Kommunikation können Mimik, Schonhaltung, Stöhnen, Abwehr, Unruhe, Schlaf- oder Appetitveränderungen Hinweise geben. Strukturierte Beobachtungsinstrumente unterstützen, ersetzen aber keine fachliche Beurteilung.

Schmerz ist das, was die betroffene Person als Schmerz erlebt. Stärke und Leidensdruck lassen sich nicht zuverlässig aus Diagnose, Alter oder äußerem Eindruck ableiten. Manche Menschen sprechen Schmerzen aus Angst vor Nebenwirkungen, Abhängigkeit oder weiterer Diagnostik nicht an. Andere können sich wegen Demenz, Delir, Schlaganfall oder Sprachbarrieren nur eingeschränkt äußern.

Ein systematisches Schmerzassessment erfasst:

  • Ort: Wo tut es weh? Strahlt der Schmerz aus?
  • Stärke: beispielsweise auf einer Skala von 0 bis 10, wenn diese verstanden wird,
  • Qualität: stechend, brennend, drückend, krampfartig oder elektrisierend,
  • Zeit: seit wann, dauerhaft oder anfallsartig, nachts oder bei Belastung,
  • Auslöser und Linderung: Bewegung, Essen, Verbandwechsel, Lagerung, Ruhe,
  • Folgen: Schlaf, Stimmung, Mobilität, Appetit und Selbstständigkeit,
  • bisherige Maßnahmen: Wirkung, Wirkdauer und Nebenwirkungen.

Bei kognitiven Einschränkungen sollte möglichst dasselbe validierte Beobachtungsinstrument wiederholt eingesetzt werden. Wichtig sind Veränderungen gegenüber dem üblichen Verhalten: angespannte Mimik, Lautäußerungen, Abwehr bei Berührung, Schonhaltung, rastlose Bewegung oder plötzlicher Rückzug. Ein einzelnes Zeichen beweist keinen Schmerz; die Gesamtsituation und andere Ursachen wie Angst, Harndrang, Atemnot oder Delir müssen mitgeprüft werden.

Akuter und chronischer Schmerz

Akuter Schmerz kann ein Warnsignal für Verletzung oder Erkrankung sein und erfordert Ursachenklärung. Chronischer Schmerz besteht über die erwartbare Heilungszeit hinaus oder kehrt über längere Zeit wieder. Er beeinflusst oft Schlaf, Aktivität, soziale Teilhabe und Stimmung. Die Behandlung richtet sich dann nicht nur auf einen Zahlenwert, sondern auf erreichbare Funktionen und Lebensqualität.

Ein sinnvolles Ziel kann lauten: nachts vier Stunden am Stück schlafen, den Verbandwechsel tolerieren oder wieder bis zum Esstisch gehen. Vollständige Schmerzfreiheit ist nicht immer erreichbar. Das Ziel sollte gemeinsam vereinbart und regelmäßig überprüft werden.

Wirkung prüfen

Dokumentieren Sie Maßnahme, Zeitpunkt, Wirkung und Nebenwirkung. Medikamente nach Plan geben; Bedarfsmedikation benötigt klare Auslöser, Mindestabstand und Höchstdosis. Tabletten nicht eigenmächtig teilen oder absetzen.

Positionierung, Wärme oder Kälte, Ruhe und Bewegung können ergänzen, wenn Ursache und Gegenanzeigen berücksichtigt sind.

Ein Medikament gilt nicht allein deshalb als passend, weil es verordnet wurde. Entscheidend ist, ob es beim individuellen Schmerz hilft und vertragen wird. Dokumentieren Sie vor der Gabe die Ausgangssituation und nach einer vereinbarten Zeit Wirkung und Nebenwirkungen. Bei Pflastern oder lang wirkenden Präparaten gelten andere Bewertungszeiträume als bei schnell wirksamer Bedarfsmedikation.

Ein sicherer Bedarfsplan beantwortet fünf Fragen:

  1. Bei welchem Schmerz oder welcher Situation darf das Mittel gegeben werden?
  2. Welche Einzeldosis ist vorgesehen?
  3. Welcher Mindestabstand gilt?
  4. Wie hoch ist die maximale Tagesdosis?
  5. Wann muss ärztlicher Rat eingeholt werden?

Mehrere Präparate können denselben Wirkstoff enthalten. Das betrifft zum Beispiel Kombinationsmittel gegen Erkältung und zusätzliche Schmerztabletten. Deshalb müssen auch frei verkäufliche Mittel im Medikationsplan stehen. Bei Nieren-, Leber-, Magen- oder Herzerkrankungen und bei Blutverdünnern können übliche Schmerzmittel besondere Risiken haben.

Opioide können bei geeigneter Indikation wirksam sein, benötigen aber einen klaren Plan. Müdigkeit, Übelkeit, Verstopfung und Sturzrisiko werden beobachtet; eine vorbeugende Behandlung der Verstopfung kann notwendig sein. Neu auftretende extreme Schläfrigkeit, sehr langsame Atmung oder fehlende Erweckbarkeit sind Notfallzeichen. Opioide und andere regelmäßig verwendete Schmerzmittel dürfen nicht ohne Rücksprache abrupt verändert werden.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen

Ergänzende Maßnahmen sollen zur Schmerzursache passen. Entlastende Lagerung, dosierte Bewegung, Wärme, Kälte, Berührung, Atemübungen, Ablenkung oder eine ruhige Umgebung können helfen. Wärme ist bei akuter Entzündung, Durchblutungs- oder Empfindungsstörung nicht automatisch geeignet; Kälte kann Haut und Gewebe schädigen. Temperatur und Anwendungsdauer müssen sicher gewählt werden.

Bei bewegungsabhängigen Schmerzen ist vollständige Schonung nicht immer hilfreich. Physio- oder Ergotherapie kann sichere Bewegungsstrategien vermitteln. Vor einem Verbandwechsel oder einer belastenden Mobilisation kann die zeitgerechte Gabe einer verordneten Schmerzmedikation sinnvoll sein.

Schmerzprotokoll für zu Hause

Ein einfaches Protokoll erleichtert die Behandlung. Notieren Sie Datum, Uhrzeit, Schmerzort, Stärke oder Beobachtungszeichen, Auslöser, Maßnahme, Wirkung und Nebenwirkung. Ergänzen Sie besondere Ereignisse wie Sturz, Fieber, neue Medikamente oder fehlenden Stuhlgang.

Bringen Sie das Protokoll und alle Medikamentenpackungen zum Termin mit. Wiederkehrende Spitzen zu bestimmten Zeiten können zeigen, dass Einnahmeabstände oder pflegerische Abläufe geprüft werden sollten. Änderungen nimmt das behandelnde Team vor; Angehörige sollten keine Dosen aus mehreren Plänen kombinieren.

Schmerz bei Demenz

Neue Unruhe wird bei Demenz manchmal vorschnell der Erkrankung zugeschrieben. Prüfen Sie zuerst mögliche körperliche Ursachen: Druckstelle, Verstopfung, Harnverhalt, schlecht sitzende Prothese, Infektion oder Verletzung. Angehörige kennen oft typische Ausdrucksweisen und sollten einbezogen werden.

Sprechen Sie langsam, stellen Sie kurze Fragen und geben Sie Zeit zum Antworten. Zeigen auf Körperstellen oder einfache Gesichterskalen können je nach Fähigkeit helfen. Nach einer Maßnahme wird beobachtet, ob Mimik, Bewegung oder Verhalten sich bessern. Eine bloße Sedierung ohne Ursachenklärung ist kein Schmerzmanagement.

Warnzeichen

Plötzlich stärkster oder ungewohnter Schmerz, Brustschmerz, akuter harter Bauch, neue Lähmung, schwere Atemnot, Bewusstseinsstörung oder starker Schmerz nach einem größeren Sturz erfordern sofortige Abklärung; bei möglicher Lebensgefahr 112 rufen.

Auch neue starke Kopfschmerzen mit neurologischen Ausfällen, ein kalter blasser Fuß, Blut im Erbrochenen oder schwarzer Stuhl benötigen dringende medizinische Hilfe. Bei rascher Verschlechterung außerhalb der Sprechzeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 für dringende, nicht lebensbedrohliche Probleme erreichbar.

Plötzlich stärkster Schmerz, Brustschmerz, akuter Bauch, neue Lähmung, schwere Atemnot oder Schmerz nach größerem Sturz erfordern sofortige Abklärung; bei Lebensgefahr 112.

Häufige Fragen

Können Menschen mit Demenz Schmerz zuverlässig zeigen?

Ja, aber oft nonverbal. Veränderungen im Verhalten müssen im Zusammenhang betrachtet werden.

Soll Schmerzmedikation erst bei starken Schmerzen gegeben werden?

Der verordnete Plan ist maßgeblich. Regelmäßige Gabe kann bei anhaltendem Schmerz sinnvoller sein als spätes Reagieren.

Sind frei verkäufliche Mittel harmlos?

Nein. Gerade im Alter bestehen Risiken für Magen, Niere, Herz und Wechselwirkungen.

Muss Schmerz immer mit einer Zahl bewertet werden?

Nein. Eine Zahlenskala ist hilfreich, wenn sie verstanden wird. Bei eingeschränkter Kommunikation können Wort-, Gesichts- oder strukturierte Beobachtungsskalen geeigneter sein.

Was tun, wenn die Bedarfsmedikation nicht hilft?

Nicht eigenständig nachdosieren. Wirkung, Einnahmezeit und Beschwerden dokumentieren und nach dem vereinbarten Eskalationsplan ärztlichen Rat einholen.

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Quellen

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  1. 1Pflege-Check starten12 Fragen, danach Ihre Ansprüche im Überblick.
  2. 2Kostenlose Beratung buchen30 Minuten mit einer Pflegeberaterin, §7a SGB XI.
  3. 3Pflegegrad beantragenAntrag, Begutachtung und häufige Fehler.