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Pflegegrad beantragen: Ablauf in fünf Schritten

Vom Antrag bis zum Bescheid, mit Zeitplan.

Stand: Juli 2026

Schritt 1: Antrag sofort stellen

Der Antrag geht an die Pflegekasse, die bei der Krankenkasse angesiedelt ist. Ein kurzer formloser Satz genügt zunächst:

Hiermit beantrage ich für [Name, Versichertennummer] Leistungen der Pflegeversicherung und die Feststellung eines Pflegegrades. Bitte bestätigen Sie den Eingang schriftlich.

Senden Sie den Antrag nachweisbar, zum Beispiel über das Onlinepostfach, per Fax mit Sendebericht oder als Einwurfeinschreiben. Das Antragsdatum ist wichtig, weil Leistungen grundsätzlich frühestens ab Antragstellung berücksichtigt werden.

Schritt 2: Beratung und Unterlagen vorbereiten

Nach Antragstellung soll die Pflegekasse einen Termin für eine Pflegeberatung innerhalb von zwei Wochen anbieten.

Sammeln Sie:

  • Arzt- und Krankenhausberichte
  • Medikamentenplan
  • Therapie- und Verordnungsunterlagen
  • vorhandene Schwerbehinderten- oder Betreuungsdokumente
  • Liste genutzter Hilfsmittel
  • Pflegetagebuch mit konkreten Alltagssituationen
  • Kontaktdaten der wichtigsten Pflegeperson

Schritt 3: Begutachtung

Die Pflegekasse beauftragt den Medizinischen Dienst oder bei privat Versicherten den zuständigen Begutachtungsdienst. Im Mittelpunkt steht die Selbstständigkeit in sechs Lebensbereichen:

  1. Mobilität
  2. kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen
  6. Gestaltung des Alltags und sozialer Kontakte

Schildern Sie nicht nur, was an einem besonders guten Tag möglich ist. Entscheidend ist, welche Hilfe regelmäßig benötigt wird und ob die Einschränkungen voraussichtlich mindestens sechs Monate bestehen.

Schritt 4: Bescheid und Gutachten prüfen

Die reguläre Bearbeitungsfrist beträgt 25 Arbeitstage. In bestimmten Situationen, etwa bei notwendiger Weiterversorgung nach einem Krankenhausaufenthalt, gelten kürzere Fristen.

Das Gutachten soll zusammen mit dem Bescheid übersandt werden, sofern nicht widersprochen wurde. Vergleichen Sie die Bewertung mit dem tatsächlichen Alltag:

  • Wurden alle Diagnosen berücksichtigt?
  • Sind Häufigkeit und Umfang der Hilfe korrekt?
  • Wurden nächtliche Hilfen erfasst?
  • Sind kognitive und psychische Einschränkungen vollständig beschrieben?
  • Stimmt die Punkteberechnung?

Schritt 5: Leistung auswählen oder Widerspruch prüfen

Bei bewilligtem Pflegegrad muss die Versorgung organisiert werden: Pflegegeld, Pflegesachleistung, Kombination, Entlastungsbetrag, Hilfsmittel und weitere Angebote.

Ist der Bescheid falsch, kann in der Regel innerhalb eines Monats Widerspruch eingelegt werden. Die genaue Frist steht in der Rechtsbehelfsbelehrung.

Wenn die Pflegekasse zu lange braucht

Wird ohne von Ihnen verursachten Grund nicht fristgerecht entschieden, kann ein Anspruch auf 70 Euro für jede begonnene Woche der Fristüberschreitung bestehen. Es gibt gesetzliche Ausnahmen. Fordern Sie die Pflegekasse schriftlich zur Entscheidung und Prüfung der Verzögerungszahlung auf.

Häufige Fehler

  • auf ein ausführliches Formular warten, statt formlos zu beantragen
  • nur Diagnosen aufzählen, aber Hilfebedarf nicht beschreiben
  • schwierige Situationen aus Scham beschönigen
  • Begutachtung ohne informierte Pflegeperson durchführen
  • Gutachten nach dem Bescheid nicht lesen
  • Widerspruchsfrist verstreichen lassen

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Quellen

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