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Pflegegrad bei Kindern

Eigene Bewertungsmaßstäbe für Kinder bis 18 Monate und darüber.

Stand: Juli 2026 · Fachlich geprüft am 30.07.2026

Auch Kinder können einen Pflegegrad erhalten. Bewertet wird jedoch nicht jede Hilfe, die Eltern leisten, denn Kinder benötigen altersbedingt ohnehin Unterstützung. Maßgeblich ist der zusätzliche Hilfebedarf im Vergleich zu einem altersentsprechend entwickelten Kind.

Für Kinder bis zu 18 Monaten gelten besondere Einstufungsregeln, weil auch gesunde Säuglinge in vielen Bereichen vollständig unselbstständig sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Entscheidend ist der Mehrbedarf gegenüber gleichaltrigen Kindern.
  • Diagnose und Schwerbehindertenausweis ersetzen keine Pflegebegutachtung.
  • Bis 18 Monate gelten besondere Regeln und eine besondere Zuordnung der Punkte.
  • Medizinische und therapiebedingte Anforderungen können wichtig sein.
  • Eltern sollten zusätzliche Hilfen konkret dokumentieren.
  • Entwicklungsalter und tatsächliches Alter dürfen nicht verwechselt werden.

Vergleich mit altersentsprechend entwickelten Kindern

Bei der Begutachtung wird gefragt:

Welche Unterstützung braucht dieses Kind zusätzlich zu der Hilfe, die ein gesundes Kind gleichen Alters normalerweise benötigt?

Beispiele für möglichen Mehrbedarf:

  • häufige medizinische Maßnahmen
  • aufwendige Ernährung
  • Überwachung von Vitalwerten
  • zusätzliche Transfers oder Lagerungen
  • erhebliche Entwicklungsverzögerung
  • fehlende Gefahrenerkennung über das altersübliche Maß hinaus
  • außergewöhnlich hoher Beaufsichtigungsbedarf
  • umfangreiche Therapieorganisation

Eltern sollten den Familienalltag beschreiben, ohne die altersübliche Versorgung als Pflegebedarf anzurechnen.

Sonderregel für Kinder bis 18 Monate

Bei sehr jungen Kindern werden vor allem altersunabhängige Bereiche betrachtet. Nach § 15 SGB XI gilt außerdem eine besondere Zuordnung:

GesamtpunktePflegegrad bis 18 Monate
12,5 bis unter 27Pflegegrad 2
27 bis unter 47,5Pflegegrad 3
47,5 bis unter 70Pflegegrad 4
70 bis 100Pflegegrad 5

Damit werden junge Kinder grundsätzlich einen Pflegegrad höher eingestuft als ältere Kinder oder Erwachsene mit derselben Punktzahl. Pflegegrad 1 wird bei Kindern bis 18 Monate nach dieser Sonderregel nicht vergeben.

Wichtige Bereiche dokumentieren

Krankheits- und therapiebedingte Anforderungen

Notieren Sie beispielsweise:

  • Medikamentengaben
  • Inhalationen
  • Messungen
  • Sondenernährung
  • Hilfsmittelversorgung
  • häufige Arzt- und Therapietermine
  • notwendige Beobachtung nach medizinischen Vorgaben

Invasive oder medizinisch komplexe Maßnahmen gehören in qualifizierte Hände. Im Artikel geht es nur um Dokumentation, nicht um Durchführung.

Verhalten und Entwicklung

Beschreiben Sie konkrete Abweichungen vom altersüblichen Verhalten, beispielsweise außergewöhnlich intensive Beaufsichtigung, fehlende Kommunikationsmöglichkeiten oder ausgeprägte nächtliche Probleme.

Unterlagen für die Begutachtung

  • aktuelle Arzt- und Entlassungsberichte
  • Therapiepläne
  • Medikamentenplan
  • Berichte aus Frühförderung, Kindergarten oder Schule
  • Hilfsmittelübersicht
  • Pflegetagebuch
  • Termine und Fahrzeiten nur insoweit, wie sie für die Anforderungen relevant sind

Unterlagen sollten die Auswirkungen im Alltag erklären und nicht nur Diagnosen aufzählen.

Schule und Pflegegrad sind verschiedene Systeme

Schulbegleitung, Eingliederungshilfe, Behandlungspflege und Pflegeversicherungsleistungen haben unterschiedliche Voraussetzungen und zuständige Träger. Ein bewilligter Pflegegrad führt nicht automatisch zu einer bestimmten schulischen Hilfe – und umgekehrt.

Häufige Fehler

  • den gesamten elterlichen Zeitaufwand als Pflegebedarf ansetzen
  • keinen Vergleich mit Gleichaltrigen vornehmen
  • medizinische Maßnahmen nur als Diagnose erwähnen
  • Entwicklungsberichte nicht bereithalten
  • nächtliche Anforderungen vergessen
  • Therapie- und Pflegeleistungen verschiedener Träger vermischen

Häufige Fragen

Können auch Säuglinge einen Pflegegrad erhalten?

Ja. Bis 18 Monate gelten besondere Bewertungs- und Einstufungsregeln.

Zählt eine Behinderung automatisch?

Nein. Entscheidend ist der zusätzliche Hilfebedarf im Alltag.

Muss das Kind beim Termin anwesend sein?

Das Begutachtungsverfahren richtet sich nach der individuellen Situation. Klären Sie organisatorische Fragen frühzeitig mit der zuständigen Stelle.

Wird der Pflegegrad später automatisch geändert?

Die Entwicklung und die besonderen Regeln für junge Kinder können Anlass für eine erneute Prüfung sein. Maßgeblich sind Bescheid und Pflegekasse.

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Quellen

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Häufige Fragen

Wie lange dauert es vom Antrag bis zum Pflegegrad?

Die Pflegekasse muss innerhalb von 25 Arbeitstagen nach Antragseingang entscheiden. Im Krankenhaus oder Hospiz gelten verkürzte Fristen von einer Woche. Hält die Kasse die Frist nicht ein, stehen Ihnen 70 Euro für jede angefangene Woche Verzögerung zu.

Kann ein Pflegegrad wieder herabgestuft werden?

Ja. Bei einer Wiederholungsbegutachtung prüft der Medizinische Dienst erneut. Eine Herabstufung ist nur zulässig, wenn sich die Selbstständigkeit tatsächlich verbessert hat. Dokumentieren Sie Verschlechterungen deshalb laufend.

Zählt Demenz genauso wie körperliche Einschränkung?

Ja. Seit 2017 bewerten die Module 2 und 3 kognitive Fähigkeiten und Verhaltensweisen gleichwertig. Menschen mit Demenz erreichen häufig einen Pflegegrad, obwohl sie körperlich mobil sind.