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Ulcus cruris: das offene Bein

Kompression als Kern der Therapie.

Stand: Juli 2026 · Fachlich geprüft am 31.07.2026

Ursache entscheidet über Therapie

Ein Ulcus cruris ist eine chronische Wunde am Unterschenkel. Häufig liegt eine venöse Erkrankung vor; möglich sind arterielle Durchblutungsstörungen, Diabetes oder Mischformen. Vor Kompression muss die arterielle Durchblutung beurteilt werden.

„Offenes Bein“ beschreibt nur das Erscheinungsbild, nicht die Ursache. Ein venöses Ulkus entsteht durch dauerhaft erhöhten Druck im Venensystem. Häufig finden sich Schwellung, Hautverfärbung und eine eher flache, nässende Wunde am Unterschenkel. Ein arterielles Ulkus entsteht durch mangelnde Blutversorgung und kann sehr schmerzhaft sein; Fuß oder Zehen können kühl und blass wirken. Mischformen sind möglich. Seltener liegen Entzündung, Tumor, Verletzung oder andere Erkrankungen zugrunde.

Die Diagnose stützt sich auf Krankengeschichte, Untersuchung von Wunde und Beinen sowie eine Gefäßdiagnostik. Dazu kann die Messung des Knöchel-Arm-Druck-Index und eine Ultraschalluntersuchung gehören. Bei Diabetes oder ausgeprägter Gefäßverkalkung können einzelne Messwerte schwerer zu beurteilen sein. Die Entscheidung über Kompression und Druckstärke gehört deshalb in erfahrene Hände.

Was bei der Untersuchung wichtig ist

Teilen Sie frühere Thrombosen, Gefäßoperationen, Diabetes, Herz- und Nierenerkrankungen, Rauchen, Medikamente und bisherige Wunden mit. Auch Schmerzen in Ruhe, nächtliches Herabhängenlassen des Beins, kurze schmerzfreie Gehstrecken oder plötzlich zunehmende Schwellung sind wichtige Informationen.

Zur Wundbeurteilung gehören Ort, Länge, Breite, Tiefe, Wundgrund, Rand, umgebende Haut, Exsudat, Geruch und Schmerz. Fotos benötigen Einwilligung, Maßstab und datenschutzkonforme Speicherung. Ein Foto allein ersetzt weder Messung noch Gefäßuntersuchung.

Behandlung

Zur Versorgung gehören Ursachenbehandlung, Wundreinigung, geeignete Auflage, Schmerztherapie und Bewegung. Bei venöser Ursache ist fachgerecht angepasste Kompression oft zentral. Bei relevanter arterieller Störung kann unpassende Kompression gefährlich sein.

Wunde und Umgebung werden regelmäßig dokumentiert. Starke Schmerzen, kalter oder blasser Fuß, schwarze Stellen, zunehmende Rötung, Eiter, Fieber oder rasche Verschlechterung erfordern dringende Hilfe.

Kompression bei venöser Ursache

Bei gesicherter venöser Ursache ist medizinische Kompression häufig der wichtigste Teil der Behandlung. Sie senkt den venösen Hochdruck und unterstützt den Rückfluss. Je nach Wundphase, Beinform und Fähigkeit kommen Verbände, medizinische adaptive Systeme oder spezielle Strumpfsysteme infrage.

Kompression muss wirksam und zugleich verträglich angelegt werden. Falten, Abschnürungen und verrutschtes Material können Druckschäden verursachen. Zehenfarbe, Temperatur, Gefühl und Schmerzen werden kontrolliert. Bei neuem starkem Schmerz, Taubheit, kaltem oder blassem Fuß wird entsprechend dem Behandlungsplan sofort reagiert und fachliche Hilfe geholt.

Eine begleitende arterielle Durchblutungsstörung bedeutet nicht in jedem Fall, dass keinerlei Kompression möglich ist. Druckstärke und System müssen dann aber anhand der Gefäßbefunde individuell festgelegt und eng kontrolliert werden. Selbstständig „leichter“ zu wickeln ist keine sichere Lösung, weil der tatsächliche Druck unbekannt bleibt.

Wundversorgung

Die Auflage wird nach Wundzustand gewählt. Sie soll Exsudat aufnehmen, Wundrand und Umgebung schützen und einen möglichst schmerzarmen Wechsel ermöglichen. Antiseptika oder antimikrobielle Produkte sind keine unbegrenzte Routine. Ein Debridement kann Beläge und abgestorbenes Gewebe entfernen, muss aber zu Durchblutung, Schmerz und Behandlungsziel passen.

Vor jedem Verbandwechsel werden Material und sauberer Arbeitsplatz vorbereitet. Nach Händehygiene wird die alte Versorgung vorsichtig entfernt, die Wunde beurteilt und nach Plan gereinigt. Angehörige sollten nur Aufgaben übernehmen, für die sie praktisch geschult wurden. Therapieänderungen, tiefes Debridement und die Beurteilung einer Infektion gehören zu qualifizierten Fachpersonen.

Bewegung und Hochlagern

Die Wadenmuskelpumpe unterstützt den venösen Rückfluss. Soweit medizinisch erlaubt, helfen regelmäßiges Gehen, Fußbewegungen und angeleitete Übungen. Langes unbewegtes Sitzen oder Stehen kann Schwellungen verstärken. Hochlagern kann bei venöser Schwellung entlasten, ist bei relevanter arterieller Durchblutungsstörung aber nicht pauschal geeignet. Die Empfehlung muss zur Ursache passen.

Schmerzen und Begleiterkrankungen

Schmerzen werden regelmäßig erfasst und gezielt behandelt. Ein stark schmerzender Verbandwechsel kann durch passende Auflage, vorsichtiges Ablösen und zeitlich abgestimmte Schmerzmedikation erleichtert werden. Schmerzmittel werden wegen möglicher Wechselwirkungen und Risiken nicht eigenständig ergänzt.

Blutzucker, Ernährung, Flüssigkeit, Mobilität, Rauchen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflussen die Heilung. Bei Mangelernährungsrisiko ist eine professionelle Einschätzung sinnvoll. Pauschale Eiweiß- oder Trinkempfehlungen können bei Nieren- oder Herzerkrankung ungeeignet sein.

Heilungsverlauf beurteilen

Eine regelmäßige, vergleichbare Dokumentation zeigt, ob Wundfläche, Tiefe, Exsudat und Schmerzen sich verbessern. Wenn trotz korrekter Behandlung kein Fortschritt erkennbar ist, wird der gesamte Plan überprüft:

  • Ist die Ursache vollständig diagnostiziert?
  • Ist Kompression ausreichend und wird sie tatsächlich getragen?
  • Besteht eine behandlungsbedürftige arterielle Störung?
  • Gibt es Druck, Infektion, Ödem oder Kontaktallergie?
  • Passt die Wundauflage zur aktuellen Phase?
  • Werden Begleiterkrankungen ausreichend behandelt?

Ein ständiger Produktwechsel ohne erneute Ursachenprüfung löst das Problem selten. Bei ungewöhnlichem Aussehen, erhabenem Rand oder anhaltender Therapieresistenz kann eine weiterführende fachärztliche Abklärung einschließlich Gewebeprobe notwendig sein.

Rückfälle vermeiden

Auch nach Wundverschluss bleibt die venöse Grunderkrankung bestehen. Ärztlich angepasste Kompression, Bewegung, Hautpflege und Gewichtskontrolle können Rückfällen vorbeugen. Neue kleine Hautdefekte sollten früh gezeigt werden. Schuhe und Kleidung dürfen nicht scheuern oder einschnüren.

Die Haut wird mild gereinigt und regelmäßig mit einem verträglichen Produkt gepflegt. Zwischen den Zehen bleibt sie trocken. Kratzen, scharfe Nagelpflege oder selbst behandelte Hornhaut können Verletzungen verursachen, besonders bei Diabetes oder Gefühlsstörungen.

Warnzeichen

Bei plötzlich kaltem, blassem oder blauem Fuß, neuen Ruheschmerzen, schwarzer Verfärbung, starker Blutung oder rascher Verschlechterung sofort medizinische Hilfe suchen. Fieber, Schüttelfrost, rote Streifen, Verwirrtheit, zunehmende Rötung oder Eiter können auf eine schwere Infektion hinweisen. Bei Lebensgefahr 112 rufen.

Häufige Fragen

Ist jedes offene Bein venös?

Nein. Ursache muss diagnostisch geklärt werden.

Darf man sofort Kompressionsstrümpfe anziehen?

Nur nach Prüfung und konkreter Verordnung.

Warum heilt die Wunde trotz Verband nicht?

Mögliche Gründe sind unbehandelte Ursache, Druck, Infektion, Durchblutungsstörung oder ungeeignete Versorgung.

Darf das Bein hochgelagert werden?

Bei venöser Schwellung kann Hochlagern helfen. Bei arterieller Durchblutungsstörung kann die Empfehlung anders sein. Deshalb nach diagnostischer Klärung individuell festlegen lassen.

Was passiert nach dem Wundverschluss?

Die Rückfallprophylaxe beginnt. Bei venöser Ursache gehören häufig weiterführende Kompression, Bewegung, Hautpflege und regelmäßige Kontrollen dazu.

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Quellen

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Ihr nächster Schritt

Sie wissen jetzt, was bei „Ulcus cruris“ gilt. So kommen Sie konkret weiter:

  1. 1Pflege-Check starten12 Fragen, danach Ihre Ansprüche im Überblick.
  2. 2Kostenlose Beratung buchen30 Minuten mit einer Pflegeberaterin, §7a SGB XI.
  3. 3Pflegegrad beantragenAntrag, Begutachtung und häufige Fehler.