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Dekubitusprophylaxe im Alltag

Bewegung, Lagerung, Hautkontrolle.

Stand: Juli 2026 · Fachlich geprüft am 31.07.2026

Vorbeugung beginnt mit Bewegung

Das Dekubitusrisiko steigt, wenn Menschen ihre Position nicht selbstständig ausreichend verändern können. Auch sehr feuchte Haut, schlechte Durchblutung, reduzierte Wahrnehmung und schwere Erkrankung können beitragen.

Individueller Bewegungsplan

Es gibt kein starres Umlagerungsintervall für alle. Häufigkeit und Position richten sich nach Beweglichkeit, Hautzustand, Schmerzen, Unterlage und persönlichem Risiko. Jede mögliche Eigenbewegung zählt: Gewichtsverlagerung im Sitzen, Aufstehen, kleine Lageänderungen und sichere Mobilisation.

Risiko gemeinsam einschätzen

Entscheidend sind Bewegungsfähigkeit, Hautzustand, Wahrnehmung, Durchblutung, Feuchtigkeit, Ernährung, Schmerzen und medizinische Geräte. Nach Operation, Fieber, Sedierung oder deutlicher Schwäche kann das Risiko kurzfristig steigen. Die Einschätzung wird bei jeder wesentlichen Veränderung wiederholt.

Fragen Sie die Person, welche Positionen angenehm sind und welche Schmerzen verursachen. Ein Plan, der nicht toleriert wird, wird selten zuverlässig umgesetzt. Schmerztherapie und Hilfsmittel müssen deshalb zur Bewegungsförderung passen.

Haut täglich beobachten

Kontrollieren Sie besonders Fersen, Kreuzbein, Hüften, Knöchel und Stellen unter Medizinprodukten. Achten Sie auf nicht wegdrückbare Rötung, Temperatur, Schmerz, Verhärtung und Blasen. Bei einer Auffälligkeit sofort entlasten und fachlich beurteilen lassen.

Die Kontrolle erfolgt bei gutem Licht und ohne kräftiges Reiben. Bei dunkler Haut können Wärme, Schwellung, Härte oder Schmerz früher auffallen als eine farbliche Veränderung. Sauerstoffschläuche, Masken, Schienen, Katheter und Kompressionsmaterial können ebenfalls Druck ausüben; ihre Kontaktstellen gehören in die Prüfung.

Hilfsmittel gezielt wählen

Druckverteilende Matratzen, Sitzkissen oder Fersenfreilagerung können sinnvoll sein. Ringförmige Sitzkissen sind in der Regel ungeeignet, weil sie Druck konzentrieren können. Hilfsmittel müssen passen und korrekt genutzt werden.

Ein Sitzkissen funktioniert nur mit passender Rollstuhlbreite, Fußstütze und Sitzhaltung. Zusätzliche Decken oder Inkontinenzunterlagen können die Druckverteilung einer Matratze verändern. Herstellerangaben und Einweisung beachten. Defekte, durchgelegene oder falsch eingestellte Hilfsmittel werden gemeldet.

Bewegungsplan im Alltag

SituationMögliche Maßnahme
im Bettselbstständige kleine Lagewechsel fördern, geplante Positionierung
im RollstuhlGewichtsverlagerung, passende Sitzdauer und Druckentlastung
beim TransferScherkräfte vermeiden, Transferhilfe richtig einsetzen
nachtsSchlaf und Hautschutz abwägen, Plan individuell anpassen
bei SchmerzenUrsache klären und Position beziehungsweise Analgesie anpassen

Pflegepersonen dokumentieren nicht nur, dass „gelagert“ wurde, sondern Position, Hautreaktion, Mitarbeit und Besonderheiten. So lässt sich erkennen, ob der Plan wirkt.

Haut und Ernährung

Haut sanft reinigen, Feuchtigkeit durch Inkontinenz begrenzen und geeigneten Hautschutz nutzen. Ausreichende Ernährung und Flüssigkeit unterstützen die Gewebegesundheit, ersetzen aber keine Druckentlastung.

Inkontinenzassoziierte Hautschäden und Dekubitus sind nicht dasselbe, können aber gleichzeitig vorkommen. Hautschutz wird nach Ursache gewählt. Starkes Reiben, Puderklumpen oder mehrere unklare Cremeschichten können die Haut zusätzlich belasten.

Angehörige anleiten

Lassen Sie sich Positionierung, Fersenentlastung und Transfer praktisch zeigen. Markieren Sie keine Stellen auf der Haut und verwenden Sie keine selbst gebauten Hilfsmittel ohne Prüfung. Bei neuer Rötung wird die Stelle sofort entlastet und der Pflegedienst beziehungsweise die ärztliche Praxis kontaktiert. Frühzeitiges Handeln verhindert, dass aus einer kleinen Auffälligkeit eine tiefe Wunde wird.

Beispiel für einen Tagesplan

Am Morgen werden Haut und Hilfsmittel bei der Körperpflege kontrolliert. Danach folgt eine sichere Mobilisation oder ein Lagewechsel. Sitzzeiten und Ruhepositionen werden über den Tag verteilt und an Hautreaktion sowie Belastbarkeit angepasst. Bei Mahlzeiten wird auf eine druckarme Sitzhaltung geachtet. Abends werden gefährdete Stellen erneut geprüft und der Nachtplan vorbereitet.

Der Plan enthält keine pauschalen Uhrzeiten, sondern individuelle Intervalle und Alternativen. Kann eine vorgesehene Position wegen Schmerz, Atemnot oder Unruhe nicht eingehalten werden, wird dies dokumentiert und fachlich angepasst.

Prophylaxe im Rollstuhl

Rollstuhlbreite, Sitztiefe, Rückenlehne, Fußstützen und Kissen müssen zusammenpassen. Füße brauchen sicheren Kontakt, damit der Körper nicht nach vorn rutscht und Scherkräfte entstehen. Die mögliche Sitzdauer wird individuell bestimmt. Gewichtsverlagerung wird angeleitet; wer sie nicht selbst ausführen kann, benötigt Unterstützung und einen konkreten Entlastungsplan.

Häufige Fragen

Muss alle zwei Stunden umgelagert werden?

Nein, nicht pauschal. Das Intervall wird individuell festgelegt und anhand der Hautreaktion überprüft.

Reicht regelmäßiges Eincremen?

Nein. Cremes verhindern keinen Druckschaden. Entscheidend sind Druckentlastung, Bewegung und Risikomanagement.

Darf eine Ferse direkt aufliegen?

Bei hohem Risiko kann vollständige Entlastung nötig sein. Die Positionierung sollte fachlich gezeigt werden.

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Quellen

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Ihr nächster Schritt

Sie wissen jetzt, was bei „Dekubitusprophylaxe“ gilt. So kommen Sie konkret weiter:

  1. 1Pflege-Check starten12 Fragen, danach Ihre Ansprüche im Überblick.
  2. 2Kostenlose Beratung buchen30 Minuten mit einer Pflegeberaterin, §7a SGB XI.
  3. 3Pflegegrad beantragenAntrag, Begutachtung und häufige Fehler.